DAÐI FREYR

Daði Freyr hat eine ganz eigene Art, die Dinge zu betrachten: mit trockenem Humor und ohne unnötiges Brimborium. Der isländische Star machte sich einen Namen, als er in einem süßen, türkisfarbenen, mit einem Pixelporträt seines Gesichts bedruckten Sweatshirt sein Land beim Eurovision Song Contest vertrat.

DAÐI FREYR
Stefanie Schmid Rincon

About

Daði Freyr hat ein Album gemacht. Das wisst ihr bereits, wenn ihr seine jüngsten Aktivitäten verfolgt habt. Das erste Drittel erschien im März 2023 in Form der EP „I‘m Making An Album 1/3“. Die zweite EP wird „I‘m Still Making An Album 2/3“ heißen und das endgültige, vollständige Produkt bei seiner Veröffentlichung am 25. August: „I Made An Album“.

Daði Freyr hat eine ganz eigene Art, die Dinge zu betrachten: mit trockenem Humor und ohne unnötiges Brimborium. Der isländische Star machte sich einen Namen, als er in einem süßen, türkisfarbenen, mit einem Pixelporträt seines Gesichts bedruckten Sweatshirt sein Land beim Eurovision Song Contest vertrat. Seine Songs umgibt eine Aura der Nettigkeit. Es gibt keine fiesen Tricks oder unerwarteten Wendungen, keinen Schnickschnack, nur ehrliche, positive Gefühle und die Idee, dass es ganz lustig sein könnte, durch die Küche zu tanzen. Sein erstes Album ist eine warme, liebevolle Umarmung aus Elektropop, mit der sich Daði Freyr als ein Künstler präsentiert, der noch viel mehr zu bieten hat. Er hat ein Album gemacht und ihr werdet die ganze Nacht dazu tanzen.

Freyrs Leben war schon immer von Musik durchdrungen. Seine Eltern lernten sich in einem Spielmannszug kennen, und als er aufwuchs, wurde zu Hause viel gesungen – Stevie Wonder, isländische Popmusik und die sanften Töne von Sting („Dad ist ein großer Police-Fan“, lacht er). Als Teenager entdeckte er Nu-Metal, die Leidenschaft und den Schmerz von Bands wie Linkin Park und System of a Down, die heimlich Popstrukturen und melodische Hooks in seine musikalische Prägung einarbeiteten. „Ich glaube, die Rockmusik, die ich als Jugendlicher hörte, war ziemlich poppig“, sagt er. „Viele der Songs haben eine sehr poppige Struktur.“

Er gründete eine Band, mit der er den isländischen Battle of the Bands gewann und den einen oder anderen Gig spielte. Aber mit 16 fiel Daði ein Exemplar des Albums Homework von Daft Punk aus dem Jahr 1997 in die Hände und er wurde sofort süchtig. Bald darauf folgte das französische Elektronik-Duo Justice, und von da an war es die elektronische Musik, die seine Fantasie beflügelte. Er zog von Island nach Berlin, um Musikproduktion und Tontechnik zu studieren, und beschloss dann zu bleiben, weil „das Wetter besser ist“ und die Atmosphäre viel entspannter und weniger wettbewerbsorientiert.

Es ist auch viel angenehmer für Daði – in einer Stadt mit 3,6 Millionen Einwohnern ist er etwas anonymer als in Island, wo man, wenn man berühmt ist, sehr berühmt ist – Island hat nur 372.500 Einwohner und Daði Freyr ist SEHR berühmt. „Wenn man in einem größeren Land so berühmt ist, bringt das wahrscheinlich eine Menge Geld mit sich“, sagt er leise, „aber in Island…“ Es ist auch nicht immer angenehm, von Fremden angesprochen zu werden, wenn man jemand ist, dessen soziale Ängste in ungewohnten Situationen an die Oberfläche kommen.

Immerhin war der Eurovision Song Contest für Daði Freyr eine sehr große Sache. 2019 hat er sich zum Spaß beworben und wurde tatsächlich als isländischer Beitrag für den Song Contest 2020 ausgewählt. Wie wir wissen, kam dann Covid-19 und der Wettbewerb wurde abgesagt, aber zu diesem Zeitpunkt war Daðis Song „Think About Things“ einer der Favoriten auf den Sieg und ging während des Lockdowns viral. Als der Eurovision Song Contest 2021 wieder stattfand, vertraten Daði Freyr und seine Band Gagnamagnið Island mit einem Song namens „10 Years“ und belegten den vierten Platz. Darüber hinaus hatte Freyr nun allerdings Zehntausende von Fans und konnte mit seinem Bekanntheitsgrad in der ganzen Welt vor ausverkauften Sälen auftreten: Der Eurovision Song Contest hatte aus seiner Leidenschaft eine Karriere gemacht.

Wenn Daði Freyr sagt, dass er ein Album macht, dann meint er das auch so. Jedes einzelne Element dieses Albums stammt von ihm: Jede programmierte Note, jede Melodie, jede Harmonie, jeder Beat stammt von ihm allein in seinem kleinen Studio, wo er alles wie ein mehrdimensionales Puzzle zusammengesetzt hat. „Es war mir wichtig, dass ich das so durchziehe“, sagt er. In der Vergangenheit hat er viel Zeit mit Kollaborationen verbracht, aber dieses Mal war es anders. „Ich wollte nicht, dass einer meiner Musikerfreunde dabei ist – niemand durfte auch nur eine Note spielen. Niemand durfte Backing Vocals singen… niemand durfte irgendetwas tun.“ Es gibt nur einen Song, bei dem andere Musiker mitwirken: der raue, letzte Track ‚Bitte‘.

Die intensive Soloarbeit erklärt ein Stück weit, warum er das Album in mehreren Teilen veröffentlicht. „Es ist ziemlich anstrengend, ein Album zu machen, und normalerweise möchte ich alles einfach sofort nach der Produktion veröffentlichen. Wenn ich einen Song fertig habe, möchte ich ihn gleich am nächsten Tag veröffentlichen. Es fällt mir wirklich schwer, so lange mit der Veröffentlichung von Sachen zu warten.“

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